Tag der politischen Gefangenen

Demo und Veranstaltungsreihe

Anlässlich des Tages der politischen Gefangenen, der jedes Jahr am 18. März begangen wird, haben mehrere Gruppen und Initiativen sich zusammengetan und eine Demo sowie Veranstaltungsreihe auf die Beine gestellt.

Demoaufruf

Der 18. März wurde 1923 von der Internationalen Roten Hilfe, gegründet 1922, zum Internationalen Tag der Hilfe für die politischen Gefangenen erklärt. Der Tag soll an die Aufstände der Pariser Kommune im Jahr 1871 sowie ihre Zerschlagung und die nachfolgende Repression gegen Zehntausende erinnern. Der Faschismus durchbrach diese Bezugnahme: Nach dem Nationalsozialismus gab es erst ab dem Jahr 1966 wieder Aktionen zu diesem Tag.
Doch nach wie vor gibt es genug Gründe, am 18.03. gemeinsam auf die Straße zu gehen! Immer wieder zeigt sich: Wenn es um die Verfolgung linker Kräfte geht, erwachen die sonst für ihre Gemütlichkeit bekannten deutschen Behörden zu neuem Leben. Im Angesicht herbei fantasierter Terrorismusgefahr lässt der immer weiter militarisierte Repressionsapparat keine Gelegenheit aus, um linke Aktivist*innen zu bekämpfen. Während neonazistische Kampfsportgruppen und rechte Waffenfanatiker in Polizei und Bundeswehr gekonnt ignoriert oder verharmlost werden, setzen deutsche Ermittlungsbehörden glühenden Ermittlungseifer gegen „links“ ein.
Ob Klimaaktivist*innen, die schützenswerte Wälder gegen Konzerninteressen verteidigen; Antifaschist*innen, die eine rechte Hegemonie in (Ost-)Deutschland ins Wanken bringen; oder Internationalist*innen, die sich von hier aus für einen revolutionären Kampf über die Grenzen der „Festung Europa“ hinaus einsetzen: Sie alle sind massiver Repression und staatlicher Verfolgung ausgesetzt.
Natürlich ist diese Repression kein rein deutsches Phänomen. Wenn wir am 18.03. auf die Straße gehen, dann tun wir dies auch in Solidarität mit den Kämpfen unserer Freund*innen und Genoss*innen in vielen anderen Ländern dieser Welt. In den letzten Jahren kämpften beispielsweise viele tausend Menschen in Chile für mehr soziale Gerechtigkeit. In Myanmar gab es Proteste gegen die Militärregierung. Auch dort standen Aktivist*innen massiver Polizeigewalt gegenüber. Schon wenige Beispiele zeigen, dass wir in unserem Kampf für eine bessere Welt nicht alleine sind.
Die staatlichen Reaktionen auf kämpferische, linke Bewegungen ähneln sich weltweit. Es gilt, sich davon nicht unterkriegen zu lassen. Als Linke müssen wir gemeinsam dafür kämpfen, den Kapitalismus zu überwinden. Dabei müssen wir uns auch gegen die Repression von Polizei und Staat stellen.
Jede Inhaftierung unserer Genoss*innen ist auch ein Angriff auf die hinter ihnen stehende Bewegung, ein Angriff auf die hinter ihnen stehende Idee: Seien es die Inhaftierungen der Antifaschist*innen Lina, Dy und Jo, die der Klimaaktivistin Ella oder die aktuell laufenden Verfahren gegen Mazlum und Salman wegen angeblicher Unterstützung der PKK.
Auf diese Angriffe müssen wir solidarisch und entschlossen antworten – nicht nur um weitere politische Gefangene zu verhindern, sondern auch, um die derzeit in Knästen weltweit sitzenden Genoss*innen nicht alleine zu lassen.
Diesen Kampf müssen wir gemeinsam auf die Straße tragen – deshalb: Heraus zum 18. März!
Egal ob in Kurdistan, der Türkei oder Deutschland: Schluss mit der Verfolgung revolutionärer Kräfte, Schluss mit der Inhaftierung antifaschistischer Aktivist*innen! Für ein Leben ohne Knäste! Freiheit für unsere Genoss*innen!

Veranstaltungen

10. MÄRZ, 19.00 UHR
VORTRAG UND SOLIKNEIPE ZU ELLA
ORT: CAFÉ DESASTA, ARNOLD-BODE-STR. 6, 34127 KASSEL

Bei den Protesten gegen die Räumung des Dannenröder Forsts 2021 wurde die Aktivistin Ella festgenommen und in einem skandalösen Gerichtsverfahren zu 2 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt.
Mit einem Vortrag und anschließender Diskussion blicken wir gemeinsam auf die Repressionen rund um Ella und die Kriminalisierung der Waldbesetzung.
Im Anschluss gibt es eine Solikneipe für die Antirepressionsstrukturen.
Klimaschutz ist kein Verbrechen!

22. MÄRZ, 18.30 UHR
ERFAHRUNGSBERICHTE AUS TÜRKISCHEN GEFÄNGNISSEN
ORT: KURDISCHER KULTURVEREIN, KURT-SCHUMACHER-STR. 5, 34117 KASSEL

Kurdische Genoss:innen berichten über ihre Erfahrungen in türkischen Gefängnissen: Was hat ihre Zeit dort geprägt? Wie haben sich die Zustände in den Gefängnissen im Laufe der Zeit durch entschlossenen
Widerstand verändert? Wie konnten kommuneartige Strukturen entstehen, durch die Bildung und Organisierung möglich war? Unter anderem wird über diese Fragen in der Veranstaltung gesprochen und diskutiert.

23. MÄRZ, 19.00 UHR
„ARBEITERINNEN, KÄMPFT MIT IN DER ROTEN
HILFE!“ – FRAUEN IN DER RHD
ORT: FALKENRAUM, WESERSTR. 17, 34125 KASSEL

Die Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war in der Weimarer Republik eine in der gesamten ArbeiterInnenbewegung beliebte Solidaritätsorganisation, die zuletzt über eine Million Mitglieder umfasste. Nach dem Verbot durch die Nazis im März 1933 setzten die Widerstandsgruppen der RHD ihre vielfältigen Aktivitäten fort, informierten über
den NS-Terror und unterstützten die Familien politischer Gefangener.
Während ihres gesamten Bestehens spielten weibliche Mitglieder eine wichtige Rolle in der Organisation, und durch gezielte Werbekampagnen, die anhaltenden Proteste gegen den § 218 und frauenspezifische Veröffentlichungen versuchte die Rote Hilfe, weitere UnterstützerInnen zu gewinnen.

In ihrem Vortrag gibt Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) einen allgemeinen Überblick über Frauen in der RHD und ihre Darstellung in der organisationseigenen Öffentlichkeitsarbeit bis 1933 und stellt die besondere Rolle vor, die den Roten Helferinnen im antifaschistischen Widerstand zukam.

24. MÄRZ, 18.00 UHR
WAS TUN WENNS BRENNT…!?!
ORT: ONLINE-RECHTSHILFEVORTRAG

Wie bereite ich mich gut auf politische Aktionen vor, wie verhalte ich mich dort und danach einigermaßen safe und was tun, wenn mal Post von den Cops kommt? Diese und weitere Fragen, sowie Infos über die Rote Hilfe gibts in diesem Onlinevortrag.
Den Link zur Veranstaltung gibts per Anfrage bei
kassel@rote-hilfe.de

25. MÄRZ, 18.00 UHR
(K)EINE DUCKMAUS SEIN – 50 JAHRE BERUFS-
VERBOTE IN DER BUNDESREPUBLIK SIND GENUG
ORT: DGB-JUGENDCLUB, SPOHRSTR. 6-8 IN 34117 KASSEL

Mitglieder der Kasseler Berufsverbote AG berichten von ihren Erfahrungen und stellen sich zur Diskussion

Seit der gescheiterten Revolution 1848 steht die Mehrheit deutscher Studierender und Akademiker zuverlässig auf der Seite der Reaktion. Das schien sich mit „1968“ zu ändern. Nach einer Schockstarre von vier Jahren reagierten die deutsche Bourgeoisie und die Staatsapparate darauf mit dem „Radikalenerlass“ vom 28. Januar 1972. Linken Parteien blieb eine prekäre Legalität gewährt, aber ihre Mitglieder wurden, soweit sie Berufe im öffentlichen Dienst anstrebten, durch ein Berufsverbot bedroht; das betraf auch Beschäftigte etwa bei Post und Bahn. Sie wurden nicht eingestellt oder entlassen. Der Abschreckungseffekt, der davon ausging, ist immer noch wirksam.
Viele Betroffene warten bis heute auf ihre Rehabilitierung und materielle Entschädigung. Die Verantwortlichen müssen sich der Aufarbeitung des Unrechts stellen.